Im Landratsamt Bodenseekreis gelten aktuell Sonderregelungen im Dienstbetrieb. Besuch nur mit Termin.

Der Landkreis ist auf den Wintereinbruch vorbereitet

(v. l.) Josef Zweifel, Hubert Zimmermann und Stefan Jegler von der Straßenmeisterei Markdorf sind bereit für den Wintereinbruch. Insgesamt hat der Bodenseekreis im Winter 23 Streu- und Räumfahrzeuge im Einsatz, um die 660 Kilometer außerörtlichen Bundes-, Landes- und Kreisstraßen innerhalb von drei Stunden befahrbar zu machen. Auch mit großen Schneemengen kommen die Fahrzeuge zurecht. Foto: Landratsamt Bodenseekreis

„Auch wenn der Winter in diesem Jahr etwas zögerlicher Einzug hält als im letzten Jahr, sind die drei Straßenmeistereien des Bodenseekreises in Überlingen, Markdorf und Tettnang für die Saison 2013/14 einsatzbereit“, erklärt Tobias Gähr, Leiter des Straßenbauamtes. Sie sind für die etwa 660 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen innerhalb des Bodenseekreises verantwortlich. In den Ortsdurchfahrten werden zudem die hierfür zuständigen Städte und Gemeinden auf den klassifizierten Straßen nach Kräften unterstützt. Klassifiziert sind Straßen mit einer besonderen Bedeutung für den überörtlichen Verkehr, vor allem also Bundes-, Landes und Kreisstraßen.

23 Fahrzeuge am Start

Für die Schneeräumung und Glättebekämpfung stehen den Straßenmeistereien des Landkreises insgesamt 23 Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Davon sind zehn kreiseigene Fahrzeuge bei den Straßenmeistereien stationiert und 13 Fahrzeuge sind für den Winterdiensteinsatz bei Fremdunternehmern angemietet. Die eingesetzten Winterdienstfahrzeuge sind größtenteils mit einer digitalen Datenerfassungs- und Steuerungstechnik (Telematik) ausgestattet. Mit der eingebauten Elektronik wird die erforderliche Menge des Streumaterials temperatur- und geschwindigkeitsabhängig ausgebracht. Diese Technik gewährleistet den wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Einsatz des Streusalzes, der dem Grundsatz erfolgt „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“. „Unentbehrlich bleibt aber immer das Können und der Erfahrungsschatz der Fahrer, ohne die auch die beste Technik nicht sinnvoll eingesetzt werden kann“, macht Amtsleiter Gähr deutlich. Insgesamt arbeiten im Auftrag des Bodenseekreises etwa 60 Männer im Winterdienst, die in zwei Schichten sowie einem Basisdienst organisiert sind.

Glättebekämpfung ausschließlich mit Feuchtsalz

Die Salzhallen des Landkreises sind mit 2.900 Tonnen Streusalz gefüllt. Ein Liefervertrag, der die Straßenmeistereien vor Privatkunden bevorrechtigt, soll Lieferengpässe vermeiden. Die Straßenmeistereien setzen dabei ausschließlich die Feuchtsalztechnologie FS 30 ein: Unmittelbar vor dem Ausbringen wird das feste Streusalz mit einer Salzlösung (Sole) auf dem Streuteller gemischt. Das Mischungsverhältnis beträgt 70 Prozent Trockensalz und 30 Prozent Sole. Für die Sole wird Natriumchlorid verwendet. Sie wird in den Straßenmeistereien mit Löseanlagen hergestellt. „Feuchtsalz hat den Vorteil, dass es gut dosiert und verteilt werden kann. Rollsplitt kommt auf außerörtlichen Straßen wegen der hohen Geschwindigkeiten nicht in Frage“, so Tobias Gähr.

Winterdiensteinsatz ab 3:00 Uhr morgens

Der Winterdienst ist so organisiert, dass im Zeitraum von 6:00 Uhr bis 22:00 Uhr die Befahrbarkeit nach besten Kräften gewährleistet wird. Für die Besatzungen der Schneepflüge und Streuer bedeutet das: Ausrücken schon um 3:00 Uhr. An Sonn- und Feiertagen geht es gerade mal eine halbe Stunde später los. Die Schicht beginnt aber noch früher: Bereits um 2:00 Uhr in der Nacht gehen die Einsatzleiter auf Kontrollfahrt. Wenn nicht ohnehin gleich klar wird, dass ein Einsatz ausgelöst werden muss, helfen Wetterdaten aus dem Straßenwetterdienst-Informationssystem (SWIS). Außerdem liefert eine Glättemeldeanlage an der B 31 bei Nesselwangen nützliche Echtzeitinfos.

Der Computer gibt den Kurs vor

Bei der Routenplanung hilft ein Computerprogramm, das neben der Reichweite der einzelnen Fahrzeuge auch die unterschiedliche Gewichtung der Straßen berücksichtigt. „Bundesstraßen, gefährliche Stellen und Steigungen haben bei uns oberste Priorität. Vor Ort kann aber der Fahrer entscheiden, welche Stelle er zuerst anfährt“, erklärt Gähr. Wenn alles gut läuft und es nicht massiv nachschneit, ist das gesamte außerörtliche Straßennetz des Bodenseekreises innerhalb von drei Stunden komplett geräumt und gestreut.

Die Natur ist stärker als die beste Vorbereitung

Auch bei bester Vorbereitung und frühzeitigem Einsatzbeginn kann nicht ausgeschlossen werden, dass während eines länger anhaltenden Schneefalles mit einer geschlossenen Schneedecke gerechnet werden muss. Auch kann es immer stellenweise zu Reif- und Eisglätte kommen. Bei einsetzendem Schneefall während des Berufsverkehrs ist es eine besondere Herausforderung, die Fahrbahnen für den fließenden Verkehr freizubekommen, da der rollende Verkehr den Schnee auf der Fahrbahn festfährt und Räumfahrzeuge nur erschwert durchkommen. Eine Garantie auf freie Fahrt kann es für die Autofahrer deshalb nicht geben.

Appell an die Verkehrsteilnehmer

Alle Verkehrsteilnehmer sollten bei Schnee und Eis Vorsicht walten lassen. Eine dem Straßenzustand angepasste Fahrgeschwindigkeit vermindert das Risiko von Unfällen. Auch kommt es immer wieder zu massiven Behinderungen durch Fahrzeuge, die nicht ausreichend für den Winter ausgerüstet sind. Ein wegen schlechter Bereifung liegengebliebener LKW auf der B 31 reicht aus, um dort den kompletten Verkehr zum Erliegen zu bringen. In einem solchen Fall ist auch für die Räumfahrzeuge die Weiterfahrt äußerst schwierig. Daher appelliert Amtsleiter Gähr an alle Autofahrer: „Ermöglichen Sie den Räumfahrzeugen das Durchkommen und treten Sie bei drohendem Schneefall und Eisglätte die Fahrt nur mit entsprechender Winterausrüstung an.“

Darauf sollten Autofahrer achten:
• Winterreifen mit ausreichend Profil
• Gegebenenfalls Schneeketten
• Funktionsfähige Batterie
• Ausreichend frostsichere Flüssigkeit in der Scheibenwischanlage
• Gute Rundumsicht aus dem Fahrzeug
• Freie Scheinwerfer, Rückleuchten und Blinker.

Zahlen und Daten

• Länge des zu pflegenden Straßennetzes: 660 Kilometer.
• Mitarbeiter im Winterdienst (inkl. externe Firmen): 60.
• Anzahl der Räumfahrzeuge: 23.
• Kilometerleistung der gesamten Räumflotte während eines durchschnittlichen Winters: rund 140.000 Kilometer.
• Winterdienst auf Radwegen: insgesamt 29 km, Mo. - Fr. 7:00 bis 16:00 Uhr, Fr. bis 13:00 Uhr.
• Reichweite einer Salzladung der Streu- und Räumfahrzeuge: 25 bis 70 Kilometer, je nach Fassungsvermögen der Streugeräte und ausgebrachter Menge pro Kilometer.
• Salzverbräuche der vergangenen Winter: 2009/10 6.946 t, 2010/11 5.026 t, 2011/12 4.462 t, 2012/13 7.526 Tonnen.
• Kosten des Winterdienstes der Kreis-Straßenmeistereien, je nach Härte und Dauer des Winters: 0,5 bis 1,7 Mio. Euro.
• Neuwert eines voll für den Winterdienst ausgestatteten Spezial-LKW der Straßenmeistereien: rund 300.000 Euro.
• Preis eines Streuautomaten mit Depotbehälter für einen LKW: 32.000 bis 43.000 Euro.
• Preis eines Schneepflugs/Räumschilds: 11.000 bis 16.000 Euro.

Den Klimawandel im Blick

Professor Horst Hanke, Winterdienstexperte bei der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen in Saarlouis: „Bei drei Extremwintern in kurzer Folge kann nicht mehr von Ausreißern gesprochen werden. Das tun auch die Klimaforscher mittlerweile nicht mehr. Aktuelle Aussagen und Prognosen des weltweit renommierten Potsdamer Instituts für Klimaforschung sagen nun eine signifikante Zunahme der Schneemengen und vor allem der Extremereignisse (Stark-Schneefälle, Extrem-Tieftemperaturen, starke kalte Ostwinde) für die nächsten 30 Jahre in Deutschland voraus. Diese gegenüber den früheren Voraussagen deutlich abweichenden Prognosen begründen die Wissenschaftler damit, dass gerade das Abschmelzen des Eises am Nordpol in zunehmendem Maße Wettersituationen mit starken Kaltluftströmen nach Mitteleuropa begünstigt und damit zu uns mehr Kälte und Schnee bringt. Der Winterdienst wird sich die nächsten Jahre darauf einstellen müssen. Angesichts knapper Kassen kommt es allerdings darauf an, den gestiegenen Anforderungen an den künftigen Winterdienst möglichst so zu begegnen, dass dieser unter Ausnutzung der neuesten Erkenntnisse die Winterdienst-Methoden und -Techniken noch besser als bislang abzustimmen und zu optimieren, um den Aufwand und die Kosten in Grenzen zu halten.“ (Quelle: Fachzeitschrift „Straßenverkehrstechnik“, 9.2013)