Wie kann es gelingen, auch künftig genügend Fachkräfte für die Pflege zu gewinnen und gute Versorgungsstrukturen im Landkreis zu sichern? Mit diesen Fragen haben sich rund 70 Fachleute aus 29 Institutionen bei der zweiten kommunalen Pflegekonferenz des Bodenseekreises beschäftigt. Die Veranstaltung stand im April unter dem Motto „Zukunft Pflege – Fachkräfte gewinnen, Vielfalt leben“.
Zum Auftakt betonte Sozialdezernent Ignaz Wetzel die Bedeutung einer verlässlichen Pflege- und Versorgungsstruktur angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels. Im Anschluss informierten die Arbeitsgruppen des Netzwerks „Älter werden im Bodenseekreis“ über ihre laufenden Projekte.
Vorgestellt wurden unter anderem die Überarbeitung des Wegweisers „Hilfen im Alter“, die Fortführung digitaler Vortragsreihen sowie Angebote für pflegende Angehörige. Zudem präsentierte sich eine neue Projektgruppe, die Menschen ab 60 Jahren für freiwilliges Engagement gewinnen möchte.
Auch aktuelle Entwicklungen in der Pflegeversorgung des Landkreises wurden thematisiert. Vorgestellt wurden das AOK-Projekt „Integrierte Versorgung in stationären Pflegeheimen“ zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung sowie die kommunale Strategie „Daseinsvorsorge“ der Gemeinde Frickingen. In diesem Zusammenhang wurden auch die dort geplanten beziehungsweise laufenden baulichen Entwicklungen für eine Pflege-Wohngemeinschaft und eine Tagespflege vorgestellt.
Melanie Haugg, Kreiskoordinatorin für die generalistische Pflegeausbildung, präsentierte zudem aktuelle Zahlen zur Pflegesituation und Pflegeausbildung im Bodenseekreis. Demnach entscheiden sich im Landkreis zunehmend mehr Menschen für eine Ausbildung in der Pflege: Während sich im Schuljahr 2023/2024 insgesamt 257 Auszubildende in der dreijährigen generalistischen Pflegeausbildung befanden, stieg diese Zahl im Schuljahr 2024/2025 auf 283.
Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt der Pflegeberuf ein Engpassberuf und rangiert landesweit weiterhin auf Platz zwei der Berufe mit besonders ausgeprägtem Fachkräftemangel. Die Gewinnung, Qualifizierung und langfristige Bindung von Pflegefachkräften bleibt daher eine zentrale Herausforderung für die Region. Zugleich ist die Pflegeausbildung im Landkreis von großer kultureller Vielfalt geprägt: In den Ausbildungskursen sind aktuell 23 Nationalitäten vertreten.
Im Mittelpunkt einer Gesprächsrunde stand daher die Frage, welche Chancen und Herausforderungen mit der Zuwanderung von Menschen verbunden sind, die in der Pflege arbeiten oder eine Ausbildung beginnen möchten. Nach einem Impulsvortrag von Basri Askin vom Entwicklungswerk für soziale Bildung und Innovation zum Thema „Integration durch Bindung“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Pflegepraxis, Ausbildung und Netzwerk über Erfahrungen aus der Praxis sowie über Bedingungen für gelingende Integration.
Um mehr Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen, setzt der Bodenseekreis zudem auf die neue Imagekampagne „Pflege ist anders, als viele denken“. Mit Plakat- und Online-Motiven wirbt der Landkreis für ein modernes und realitätsnahes Bild der Pflege und möchte verbreitete Vorurteile gegenüber dem Beruf abbauen.
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Foto: Landratsamt Bodenseekreis