Gelungene Versöhnung: Bodenseekreis und Landkreis Tschenstochau feiern 35 Jahre Freundschaftsvertrag

Vor genau 35 Jahren ist zwischen Deutschland und Polen der Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet worden. Daraus entstand auch die enge Partnerschaft und Freundschaft zwischen dem Bodenseekreis und dem polnischen Landkreis Tschenstochau. Bei einer Feierstunde am Mittwoch, 17. Juni 2026 in Salem würdigten Landrat Luca Wilhelm Prayon gemeinsam mit dem Generalkonsul der Republik Polen in München, Rafał Wolski, und einer Delegation aus dem Landkreis Tschenstochau die nun schon jahrzehntelangen guten Beziehungen.

„Der Vertrag markierte eine neue Ära und die Versöhnung beider Nachbarvölker. Er war auch der formelle Beginn für die Bindung Polens an Europa und die westliche Allianz“, betonte der Generalkonsul in seiner Ansprache vor rund 100 Gästen in der historischen Kreisbibliothek in Schloss Salem. Versöhnung finde aber nicht in Zeremonien statt, sondern in echten Begegnungen der Menschen im Alltag. Die Partnerschaft der beiden Landkreise sei dafür ein eindrücklicher Beleg.

Anna Dziewior, Vorständin der polnischen Kreisverwaltung und dort zuständig für die Kreispartnerschaften, würdigte deshalb das Engagement der vielen Menschen auf beiden Seiten, die diese Freundschaft lebendig halten: Angefangen bei den Verwaltungsleuten der ersten Stunde, die den Kontakt geknüpft hatten, über die Mitglieder des Deutsch-Polnischen Freundeskreises mit ihren vielen privaten Verbindungen zwischen den beiden Regionen, die vielen Fachleute der Kreisverwaltungen, die anfangs bei der Aufbauhilfe und nun durch gegenseitiges Lernen zusammenarbeiten, bis hin zu den regelmäßigen Auszubildenen- und Jugendreisen ins andere Land. Tatsächlich war der Bodenseekreis einer der ersten deutschen Landkreise, als er 1999 die Partnerschaft mit einem polnischen Landkreis einging.

Die polnische Delegation unter Führung des Kreistagsvorsitzenden Andrzej Kubat besuchte bei ihrer viertägigen Reise auch die kreiseigene Elektronikschule Tettnang. Sie unterhält einen engen Austausch mit dem Elektronikschulzentrum Radomsko. Generationen von Schülerinnen und Schülern haben auf diese Weise schon die jeweils andere Kultur kennengelernt - „von Liebeskummer bis regelmäßige Online-Gaming-Treffs“, wie der stellvertretende Schulleiter Hansjörg Weiher berichtet.

Direkt vor Beginn der Feierstunde am Mittwoch legte die polnische Besuchergruppe gemeinsam mit dem Generalkonsul und dem Landrat einen Kranz an der sogenannten Polenlinde nahe Schloss Salem nieder. Der Gedenkort erinnert an die rassistisch motivierten Hinrichtungen von zwei polnischen Zwangsarbeitern an dieser Stelle.    


Bildinfo: Landrat Luca Wilhelm Prayon überreichte der polnischen Delegation den Text des Freundschaftsvertrages von 1991 in polnischer Sprache. 
v.l.: Adam Morzyk, Andrzej Kubat (Vorsitzender des Kreistages), Anna Dziewior, Landrat Prayon, Gwidon Jelonek (Vorstandsmitglieder).