Um die stationäre medizinische Versorgung im gesamten Bodenseekries zu sichern, hat sich der Kreistag am Mittwoch, 13. Mai 2026 für die Sicherstellungs- und Unterstützungsvereinbarung mit der AMEOS-Gruppe entschieden. Somit soll der Standort Friedrichshafen des Medizin Campus Bodensee (MCB) künftig durch den privaten Klinikträger betrieben werden. Die Entscheidung bedeutet zugleich, dass in den kommenden Jahren Defizitausgleiche in Millionenhöhe aus der Kreiskasse zu leisten sind. 30 Kreisrätinnen und Kreisräte stimmten in der öffentlichen Sitzung in Eriskirch für das Konzept der AMEOS-Gruppe, 27 für das Konzept der Oberschwabenklinik (OSK).
„Der Kreistag hat heute eine weitreichende Entscheidung für die Zukunft der Krankenhausversorgung im Bodenseekreis getroffen. Diese Entscheidung ist das Ergebnis intensiver Beratung und sorgfältiger Abwägung im Gremium. Nun geht es darum, den weiteren Weg gemeinsam zu gehen und die vereinbarten Konzepte zügig umzusetzen. Entscheidend bleibt, dass die Menschen im Bodenseekreis auch künftig verlässlich medizinisch versorgt werden“, erklärt Landrat Luca Wilhelm Prayon.
Friedrichshafen bleibt zentraler Klinikstandort
Das Konzept der AMEOS-Gruppe sieht Friedrichshafen als zentralen Standort der stationären Versorgung im Bodenseekreis vor. Dort soll ein breites medizinisches Angebot erhalten und weiterentwickelt werden. Vorgesehen sind unter anderem Allgemein- und Viszeralchirurgie, Unfallchirurgie, Orthopädie und Endoprothetik, Gefäß- und Adipositaschirurgie, Allgemeine Innere Medizin, Geriatrie, Gastroenterologie, Onkologie, Palliativmedizin, Kardiologie, Pneumologie, Neurologie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin sowie Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Darüber hinaus umfasst das Konzept eine Akut- und Notfallmedizin, eine interdisziplinäre Intensivmedizin, Radiologie sowie eine Stroke Unit zur Schlaganfallversorgung. Auch onkologische Schwerpunktangebote, etwa für Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs, sowie ein Zentrum für robotergestützte Chirurgie sind vorgesehen.
Für den MCB-Standort Tettnang sieht das Konzept der AMEOS-Gruppe keine Fortführung des stationären Krankenhausbetriebs vor.
Landkreis unterstützt die Sicherstellung finanziell
Mit der Entscheidung übernimmt der Bodenseekreis erhebliche finanzielle Verantwortung für die Sicherstellung der Krankenhausversorgung. Im AMEOS-Modell sind einmalige Unterstützungsleistungen des Landkreises vorgesehen, darunter eine Erwerbsunterstützung von rund 13 Millionen Euro sowie eine Unterstützung im Zusammenhang mit der Beendigung des stationären Krankenhausbetriebs in Tettnang von rund fünf Millionen Euro. Für den laufenden Klinikbetrieb sind bis 2033 Unterstützungsleistungen des Bodenseekreises von insgesamt rund 46 Millionen Euro vorgesehen. Hinzu kommen mögliche Aufwendungen für Brandschutz und Hygiene von insgesamt bis zu acht Millionen Euro bis Ende 2033.
Der geplante Klinikneubau in Friedrichshafen mit rund 340 Betten soll durch AMEOS finanziert werden. Die Gesamtinvestition wird mit rund 230 Millionen Euro beziffert. Sollte bis Ende 2031 kein Förderbescheid des Landes Baden-Württemberg vorliegen, kann auf den Bodenseekreis eine zusätzliche finanzielle Verantwortung in Höhe der fehlenden Förderung zukommen. Weitere finanzielle Beiträge von insgesamt 44 Millionen Euro kommen von der Stadt Friedrichshafen.
„Uns ist bewusst, dass mit dieser Entscheidung große Erwartungen, aber auch Sorgen verbunden sind. Gleichzeitig mussten wir die Frage beantworten, wie eine hochwertige Krankenhausversorgung unter den schwieriger werdenden Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen dauerhaft gesichert werden kann. Der Kreistag hat heute nach intensiver Beratung dazu eine Entscheidung getroffen“, so Prayon. „Klar ist aber auch, dass die dafür notwendigen Millionenbeträge schmerzlich in den Haushalten des Kreises sowie unserer Städte und Gemeinden fehlen werden. Denn ein wesentlicher Teil dieser neuen Ausgabeposten wird nur über die Kreisumlage abzudecken sein“, erklärt der Landrat.
Der Entscheidung des Kreistags waren rund ein Jahr intensive Verhandlungen, mehrere außerordentliche Kreistagssitzungen sowie umfangreiche Prüfungen der medizinischen und wirtschaftlichen Konzepte vorausgegangen. Ausgelöst wurde das Verfahren durch den Entschluss des Friedrichshafener Gemeinderats im Juli 2025, den MCB künftig nicht mehr allein betreiben zu können und die Verantwortung an den Landkreis zu übertragen.
Weitere formelle Schritte noch nötig
Bevor der Wechsel des Klinikträgers vollzogen werden kann, sind noch weitere formelle Schritte notwendig. So entscheidet der Gläubigerausschuss des Medizin Campus Bodensee im Rahmen des Insolvenzverfahrens voraussichtlich Anfang Juni endgültig darüber. Der operative Übergang auf AMEOS ist nach aktuellem Stand frühestens im Juli 2026 möglich.
Informationen zur Kreistagsentscheidung auch unter www.bodenseekreis.de/klinikversorgung
Bildinfo: In der Irishalle in Eriskirch hat sich der Kreistag des Bodenseekreises mit knapper Mehrheit in öffentlicher Sitzung vor rund 300 Zuschauern für das Konzept der AMEOS-Gruppe entschieden.