Neuordnung der der stationären Gesundheitsversorgung im Bodenseekreis

Die Stadt Friedrichshafen hat im Sommer 2025 entschieden, die Trägerschaft für den Medizin Campus Bodensee (MCB) aufgeben zu wollen. Der MCB hat daraufhin Insolvenz angemeldet. Laut Krankenhausgesetz ist der Landkreis verpflichtet, die stationäre Versorgung sicherzustellen, wenn kein anderer Träger dies tut. Deshalb hat der Bodenseekreis in einem Bieterverfahren nach potentiellen Partnern dafür gesucht. Nach einem intensiven Verhandlungs- und Auswahlprozess hat der Kreistag am 13. Mai 2026 darüber entscheiden, welcher potentielle Klinikträger diese Aufgabe für den Bodenseekreis übernehmen und dafür öffentliche Gelder in Millionenhöhe als Defizitausgleich erhalten soll. Zur Auswahl standen zwei verbindlich verhandelte Sicherstellungs- und Unterstützungsvereinbarungen und damit die Entscheidung zwischen zwei potentiellen Klinikträgern.

Fragen & Antworten

Um die stationäre medizinische Versorgung im gesamten Bodenseekries zu sichern, hat sich der Kreistag am Mittwoch, 13. Mai 2026 für die Sicherstellungs- und Unterstützungsvereinbarung mit der AMEOS-Gruppe entschieden. Zur Auswahl standen die Konzepte der AMEOS-Gruppe und der Oberschwabenklinik (OSK). Für das AMEOS-Konzept stimmten 30 Kreisrätinnen und Kreisräte, für das Konzept der OSK 27. Damit soll die AMEOS Krankenhausgesellschaft künftig in Friedrichshafen die stationäre Versorgung im Bodenseekreis übernehmen.

Auslöser des Verfahrens war der Entschluss des Friedrichshafener Gemeinderats im Juli 2025, den MCB künftig nicht mehr allein betreiben zu können und die Verantwortung an den Landkreis zu übertragen. Der Bodenseekreis hat die gesetzliche Aufgabe, die stationäre Krankenhausversorgung im Landkreis sicherzustellen, wenn dies kein anderer Träger gewährleistet. Deshalb musste der Landkreis klären, wie die Versorgung langfristig gesichert werden kann und mit welchem Partner dies künftig geschehen soll.

Durch die Kreistagsentscheidung ändert sich für Patientinnen und Patienten zunächst nichts unmittelbar. Der Krankenhausbetrieb läuft weiter. Der Wechsel des Klinikträgers kann erst nach weiteren formellen Schritten umgesetzt werden. Der operative Übergang auf AMEOS ist nach aktuellem Stand frühestens zum 1. Juli 2026 möglich.

Nach dem AMEOS-Konzept soll das Klinikum Friedrichshafen als zentraler Standort der stationären Versorgung mit einem breiten medizinischen Angebot erhalten und weiterentwickelt werden, inklusive eines Klinikneubaus. Vorgesehen sind unter anderem Akut- und Notfallmedizin, interdisziplinäre Intensivmedizin, Radiologie, Neurologie mit Stroke Unit zur Schlaganfallversorgung, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin, Innere Medizin, Kardiologie, Pneumologie, Gastroenterologie, Onkologie, Palliativmedizin, Geriatrie, Chirurgie, Orthopädie und Endoprothetik sowie Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Außerdem sieht das Konzept onkologische Schwerpunktangebote, etwa für Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs, sowie ein Zentrum für robotergestützte Chirurgie vor.

Wichtig ist: Welche dieser Leistungen künftig tatsächlich angeboten werden dürfen, entscheidet nicht allein AMEOS. Das Land Baden-Württemberg legt im Rahmen der aktuellen Krankenhausplanung fest, welche Behandlungen an welchem Krankenhausstandort angeboten werden sollen. Zusätzlich prüft der Medizinische Dienst, ob ein Standort dafür die nötigen Voraussetzungen erfüllt, beispielsweise bei Personal, Ausstattung und Qualität. Auf dieser Grundlage soll voraussichtlich im November 2026 entschieden werden, welche medizinischen Leistungen dem Standort Friedrichshafen zugewiesen werden.

Für den MCB-Standort Tettnang sieht das Konzept der AMEOS-Gruppe keine Fortführung des stationären Krankenhausbetriebs vor. Eine ambulante oder sonstige Anschlussnutzung des Geländes ist in der Sicherstellungs- und Unterstützungsvereinbarung mit AMEOS nicht enthalten.

Die konkrete Umsetzung des Trägerwechsels erfolgt im weiteren Verfahren. Dabei werden auch die Auswirkungen auf die Beschäftigten zu klären sein. Der Bodenseekreis legt großen Wert darauf, dass der Übergang verantwortungsvoll begleitet wird.

Der Bodenseekreis übernimmt erhebliche finanzielle Verantwortung für die Sicherstellung der Krankenhausversorgung. Im AMEOS-Modell sind einmalige Unterstützungsleistungen vorgesehen. Dazu gehören eine Erwerbsunterstützung von rund 13 Millionen Euro sowie rund fünf Millionen Euro im Zusammenhang mit der Beendigung des stationären Krankenhausbetriebs in Tettnang.

Für den laufenden Klinikbetrieb sind bis 2033 Unterstützungsleistungen des Bodenseekreises von insgesamt rund 46 Millionen Euro vorgesehen. Hinzu kommen mögliche Aufwendungen für Brandschutzmaßnahmen sowie für die Fortführung des Schutzkonzepts Wasserversorgung von bis zu einer Million Euro pro Jahr, insgesamt bis zu acht Millionen Euro bis Ende 2033.

Weitere finanzielle Beiträge in Höhe von insgesamt 44 Millionen Euro kommen von der Stadt Friedrichshafen.

Der Kreistag hat beide Konzepte intensiv beraten und gegeneinander abgewogen. Eine Mehrheit von 30 Kreisrätinnen und Kreisräten hat sich für das Konzept der AMEOS-Gruppe entschieden. Ausschlaggebend waren dabei die jeweiligen Bewertungen der medizinischen, strukturellen und finanziellen Folgen.

Die Entscheidung hat sich der Kreistag nicht leicht gemacht. Dem Beschluss waren rund zehn Monate intensive Verhandlungen, mehrere außerordentliche Kreistagssitzungen sowie umfangreiche Prüfungen der medizinischen und wirtschaftlichen Konzepte vorausgegangen. Das knappe Ergebnis zeigt, wie schwierig die Abwägung war. Beide Konzepte waren mit unterschiedlichen Chancen, Risiken und finanziellen Folgen für den Bodenseekreis verbunden. Deshalb wurde im Gremium bis zuletzt intensiv gerungen und unterschiedlich bewertet, welcher Weg die Krankenhausversorgung langfristig am besten sichern kann.

Bevor AMEOS neuer Träger des MCB wird, sind noch weitere formelle Schritte notwendig. Im weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens entscheidet der Gläubigerausschuss des Medizin Campus Bodensee über den Wechsel des Klinikträgers. Denn der Medizin Campus Bodensee befindet sich im Insolvenzverfahren. Der operative Übergang auf AMEOS ist nach aktuellem Stand frühestens zum 1. Juli 2026 möglich.

Kreistag stimmt für AMEOS als künftigen Klinikträger des Medizin Campus Bodensee

Um die stationäre medizinische Versorgung im gesamten Bodenseekries zu sichern, hat sich der Kreistag am Mittwoch, 13. Mai 2026 für die Sicherstellungs- und Unterstützungsvereinbarung mit der AMEOS-Gruppe entschieden. Somit soll der Standort Friedrichshafen des Medizin Campus Bodensee (MCB) künftig durch den privaten Klinikträger betrieben werden. Die Entscheidung bedeutet zugleich, dass in den kommenden Jahren Defizitausgleiche in Millionenhöhe aus der Kreiskasse zu leisten sind. 30 Kreisrätinnen und Kreisräte stimmten in der öffentlichen Sitzung in Eriskirch für das Konzept der AMEOS-Gruppe, 27 für das Konzept der Oberschwabenklinik (OSK).

„Der Kreistag hat heute eine weitreichende Entscheidung für die Zukunft der Krankenhausversorgung im Bodenseekreis getroffen. Diese Entscheidung ist das Ergebnis intensiver Beratung und sorgfältiger Abwägung im Gremium. Nun geht es darum, den weiteren Weg gemeinsam zu gehen und die vereinbarten Konzepte zügig umzusetzen. Entscheidend bleibt, dass die Menschen im Bodenseekreis auch künftig verlässlich medizinisch versorgt werden“, erklärt Landrat Luca Wilhelm Prayon.

Friedrichshafen bleibt zentraler Klinikstandort

Das Konzept der AMEOS-Gruppe sieht Friedrichshafen als zentralen Standort der stationären Versorgung im Bodenseekreis vor. Dort soll ein breites medizinisches Angebot erhalten und weiterentwickelt werden. Vorgesehen sind unter anderem Allgemein- und Viszeralchirurgie, Unfallchirurgie, Orthopädie und Endoprothetik, Gefäß- und Adipositaschirurgie, Allgemeine Innere Medizin, Geriatrie, Gastroenterologie, Onkologie, Palliativmedizin, Kardiologie, Pneumologie, Neurologie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin sowie Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Darüber hinaus umfasst das Konzept eine Akut- und Notfallmedizin, eine interdisziplinäre Intensivmedizin, Radiologie sowie eine Stroke Unit zur Schlaganfallversorgung. Auch onkologische Schwerpunktangebote, etwa für Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs, sowie ein Zentrum für robotergestützte Chirurgie sind vorgesehen.

Für den MCB-Standort Tettnang sieht das Konzept der AMEOS-Gruppe keine Fortführung des stationären Krankenhausbetriebs vor.

Landkreis unterstützt die Sicherstellung finanziell

Mit der Entscheidung übernimmt der Bodenseekreis erhebliche finanzielle Verantwortung für die Sicherstellung der Krankenhausversorgung. Im AMEOS-Modell sind einmalige Unterstützungsleistungen des Landkreises vorgesehen, darunter eine Erwerbsunterstützung von rund 13 Millionen Euro sowie eine Unterstützung im Zusammenhang mit der Beendigung des stationären Krankenhausbetriebs in Tettnang von rund fünf Millionen Euro. Für den laufenden Klinikbetrieb sind bis 2033 Unterstützungsleistungen des Bodenseekreises von insgesamt rund 46 Millionen Euro vorgesehen. Hinzu kommen mögliche Aufwendungen für Brandschutz und Hygiene von insgesamt bis zu acht Millionen Euro bis Ende 2033.

Der geplante Klinikneubau in Friedrichshafen mit rund 340 Betten soll durch AMEOS finanziert werden. Die Gesamtinvestition wird mit rund 230 Millionen Euro beziffert. Sollte bis Ende 2031 kein Förderbescheid des Landes Baden-Württemberg vorliegen, kann auf den Bodenseekreis eine zusätzliche finanzielle Verantwortung in Höhe der fehlenden Förderung zukommen. Weitere finanzielle Beiträge von insgesamt 44 Millionen Euro kommen von der Stadt Friedrichshafen.

„Uns ist bewusst, dass mit dieser Entscheidung große Erwartungen, aber auch Sorgen verbunden sind. Gleichzeitig mussten wir die Frage beantworten, wie eine hochwertige Krankenhausversorgung unter den schwieriger werdenden Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen dauerhaft gesichert werden kann. Der Kreistag hat heute nach intensiver Beratung dazu eine Entscheidung getroffen“, so Prayon. „Klar ist aber auch, dass die dafür notwendigen Millionenbeträge schmerzlich in den Haushalten des Kreises sowie unserer Städte und Gemeinden fehlen werden. Denn ein wesentlicher Teil dieser neuen Ausgabeposten wird nur über die Kreisumlage abzudecken sein“, erklärt der Landrat.

Der Entscheidung des Kreistags waren rund ein Jahr intensive Verhandlungen, mehrere außerordentliche Kreistagssitzungen sowie umfangreiche Prüfungen der medizinischen und wirtschaftlichen Konzepte vorausgegangen. Ausgelöst wurde das Verfahren durch den Entschluss des Friedrichshafener Gemeinderats im Juli 2025, den MCB künftig nicht mehr allein betreiben zu können und die Verantwortung an den Landkreis zu übertragen.

Weitere formelle Schritte noch nötig

Bevor der Wechsel des Klinikträgers vollzogen werden kann, sind noch weitere formelle Schritte notwendig. So entscheidet der Gläubigerausschuss des Medizin Campus Bodensee im Rahmen des Insolvenzverfahrens voraussichtlich Anfang Juni endgültig darüber. Der operative Übergang auf AMEOS ist nach aktuellem Stand frühestens im Juli 2026 möglich.

Dokumente zu einer komplexen Weichenstellung

In der Sitzungsvorlage für den Kreistag am 13. Mai 2026 wird die Beschlussfassung vorbereitet. Hier werden auch die beiden zur Auswahl stehenden Medizin- und Finanzkonzepte kurz zusammengefasst und gegenübergestellt.

Sitzungsvorlage Kreistag (PDF)

In der Anlage 1 werden das Verfahren und die rechtlichen Hintergründe erklärt. Auch wesentliche Details der medizinischen Konzepte und finanziellen Auswirkungen beider Sicherstellungs- und Unterstützungsvereinbarungen werden dargestellt.

Anlage 1 (PDF)

Alle Infos zur Kreistagssitzung

Die öffentliche Sitzung des Kreistags des Bodenseekreises findet am Mittwoch, 13. Mai 2026 ab 17:00 Uhr Irishalle Eriskirch, Mariabrunnstraße 16 statt.

Alle Sitzungsunterlagen können im Infoportal des Kreistags abgerufen werden.

Kreistag-Infoportal

Medieninformationen der zurückliegenden Monate unter AKTUELLES unter dem Suchwort „Klinik“.

AKTUELLES