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jung + gegenständlich
Förderpreis des Bodenseekreises 2022

Rotes Haus l Meersburg
19. Mai bis 2. Sepember

Jedes zweite Jahr vergibt der Bodenseekreis seinen Förderpreis für gegenständliche Kunst und nun ist es wieder soweit: 32 junge Künstlerinnen und Künstler wurden von einer Jury aus Kunst- und Kulturschaffenden ausgewählt. Etwa 80 Gemälde und Zeichnungen der im Wettbewerb Nominierten sind bis 2. September in der Galerie Bodenseekreis zu sehen. Wer von ihnen allerdings den mit 4000 Euro dotierten Förderpreis des Bodenseekreises erhält, wird erst am Ende der Ausstellung verraten. So haben Besucherinnen und Besucher Zeit, ihren eigenen „Publikumsliebling“ zu wählen - digital auf dieser Internetseite oder vor Ort im Roten Haus Meersburg.

MIN.MAX
Herbert Stehle - Max Ackermann, Julius Bissier, Jakob Bräckle, Horst J. Beck

Rotes Haus | Meersburg
25. März - 12. Mai 2022
(Die Eröffnung der Ausstellung hat sich vom 24. März auf den 25. März zu den regulären Öffnungszeiten verschoben)

„Natur ist nur mit Hilfe von Zeichen in Malerei übersetzbar“, stellte Pablo Picasso einst fest. Die Kunstwelt seiner Zeit folgte dem Zauberwort der „Abstraktion“. Gesucht wurde die minimale Form, die dennoch maximalen Ausdruck ermöglichte. Diesem Prinzip der Klassischen Moderne spürt die aktuelle Ausstellung in der Galerie Bodenseekreis Meersburg nach, die den Titel „MIN.MAX“ trägt. Sie stellt dem Heiligenberger Bildhauer Herbert Stehle vier „Klassiker vom See“ gegenüber und zeigt, dass das Prinzip formaler Reduktion in der Kunst bis heute Gültigkeit hat.

Mit Max Ackermann, Julius Bissier, Jakob Bräckle und Horst J. Beck wurden für die Ausstellung prominente „Klassiker“ der Region Bodensee-Oberschwaben ausgewählt, von denen jeder seinen eigenen abstrakten Stil gefunden hat. Von der „königlichen Geometrie“ etwa schwärmte Max Ackermann und fasste im Pastell sommerliche Segelboote in farbig leuchtende Dreiecke zusammen. „Ein Bild soll sein wie ein Zeichen“, war sich dagegen Julius Bissier sicher und verdichtete seine Tuschezeichnungen zu symbolhaften Chiffren. Der Oberschwabe Jakob Bräckle meinte, dass das Gegenstandslose schon in der Natur selbst liegen müsse und übersetzte die Felder seiner Heimat in erdverbundene Farbflächen auf Leinwand. Der Überlinger Maler Horst J. Beck wiederum stellte fest, dass Kunst die „Kunst des Weglassens“ sei und reduzierte das Gesehene auf organisch-harmonische Farbstrukturen, die nicht selten über die sichtbare Welt hinauswachsen.

In der Schau im Roten Haus gehen die Gemälde und Grafiken von Ackermann, Bissier, Bräckle und Beck einen ganz besonderen Dialog mit der zeitgenössischen Bildhauerkunst von Herbert Stehle ein. Stehles Skulpturenwelt, die im weitesten Sinn um das Thema „Haus“ kreist, spricht eine reduzierte geometrische Formensprache. Seine teils großen dreidimensionalen Werke aus Holz und Beton sind fest im westlichen „Welterbe Abstraktion“ verortet. So lassen sie sich erstaunlich selbstverständlich in Beziehung setzen zu den historischen künstlerischen Standpunkten der vier „Klassiker vom See“. „MIN.MAX“ ist eine Ausstellung, die Ungewöhnliches zusammenführt. Sie lässt die feinen Verbindungslinien aufscheinen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dabei entstehen überraschende ästhetische Eindrücke …

Zur Ausstellung ist außerdem der Katalog MIN.MAX - Herbert Stehle - Max Ackermann, Julius Bissier, Jakob Bräckle, Horst J. Beck, herausgegeben von Heike Frommer vom Kulturamt Bodenseekreis, erschienen. Er umfasst 88 Seiten und ist unter der ISBN 978-3-945396-20-9 für 15 Euro erhältlich.

                                                                 Foto: © Edmund Möhrle Photographie

SEPP MAHLER
INS OFFENE

Rotes Haus | Meersburg
23. September - 13. November 2022

Zum Abschluss der Saison setzt die Galerie Bodenseekreis einen besonderen Akzent: Ins Offene geht es mit einer Ausstellung zu Sepp Mahler. Der unkonventionelle Künstler aus Bad Wurzach (1901–1975), der sich sowohl als Maler als auch als Poet hervortat, galt als „widerständiger Träumer“. Seine faszinierende Lebensgeschichte und seine großen Ideale prägten seine Kunst nachhaltig. Die Meersburger Schau und die anschaulich bebilderte Begleitpublikation verbinden erstmals in umfangreicher Weise die Persönlichkeit und das künstlerische Schaffen Sepp Mahlers.

Aufgewachsen im militaristischen Kaiserreich drängte es Mahler bald hinaus in die Freiheit: Vagabundentouren führten ihn in den 1920er-Jahren von Island bis nach Istanbul. Von den Nationalsozialisten diffamiert und inhaftiert, erlebte er das Leben aus der Perspektive der Rechtlosen und Verachteten. Als Sohn eines Torfwerkleiters wusste Mahler auch früh, wie es ist, schwere Arbeit für einen Hungerlohn zu verrichten. Viele seiner Gemälde zeigen die Welt aus Sicht der „Niemandsleute“ im Schatten der Gesellschaft.

Doch auch die Schönheit der Welt blieb Mahler nicht verborgen. Im Wurzacher Ried, das Mahler schon als Kind intensiv erlebte und das ihm zeitlebens Heimat war, erkannte er das Moor in seiner betörenden und zugleich dämonischen Schönheit. Die Natur sah er als göttliche Schöpfung an, mit hoher spiritueller Energie. Er träumte davon, dass der Mensch im Einklang mit ihr leben könne und die Menschen untereinander in Frieden. In seiner Malerei offenbart sich die Natur als Seelenheimat des Menschen.

Seinen Idealen und Träumen blieb Mahler treu – sein kritischer Blick auf die materialistische Konsumgesellschaft und seine respektvolle innere Haltung geben dem „Lebens-Künstler“ Sepp Mahler eine besondere Aktualität. Ebenso seine große Liebe zum Moor: wir wissen heute, wie wichtig der Schutz der Moorlandschaften für eine lebenswerte Zukunft ist. Die Ausstellung, die in Kooperation mit der Städtischen Galerie Ehingen entstand, zieht mit Bedacht ihre Linien von der Vergangenheit in die Gegenwart.

www.galerie-bodenseekreis.de

Impressionen

Katalog zur Ausstellung

MIN.MAX
Herbert Stehle - Max Ackermann, Julius Bissier, Jakob Bräckle, Horst J. Beck
Hg. Heike Frommer, Kulturamt Bodenseekreis
ISBN 978-3-945396-20-9
88 Seiten, 15,00 Euro

Katalog zur Ausstellung

Sepp Mahler
INS OFFENE
Hg. Heike Frommer, Kulturamt Bodenseekreis
Salem, 2022
ISBN 978-3-945396-22-3
20,00 Euro