Leben am See, Band 36 (2018): Kulturlandschaft Bodensee?

Was die Eiszeit vor über 10.000 Jahren vom Seeufer bis hinauf zu den Alpen formte, hat der Mensch seither vielfach verändert. In der Steinzeit lichtete er den Urwald, erschloss sich den Ufersaum und erste Ackerflächen. Vor 3.000 Jahren entwaldete er im großen Stil die Landschaft, um Felder zu bestellen. Tausend Jahre später bauten die Römer hier Häfen und Straßen. Wein- und Obstbau verwandelten die Seeregion landschaftlich ebenso stark wie die klösterliche Landwirtschaft. In der Neuzeit veränderten Industrialisierung und Eisenbahn Orts- und Landschaftsbilder in rasantem Tempo. Heute dominiert eine Kulturlandschaft die Region, die nicht mehr viel Ursprüngliches zu bieten hat, dafür aber umso reicher an kulturgeschichtlichen Spuren ist.

Der Kulturlandschaft Bodensee widmet sich Band 36 von „Leben am See“. Die aktuelle Ausgabe des Kreisjahrbuchs, herausgegeben vom Bodenseekreis und den beiden größten Städten im Landkreis, beleuchtet die Entwicklung dieser Region aus vielen Blickwinkeln. Welche Bedeutung hatten und haben Klöster und Schlösser? Welche Geheimnisse der Siedlungsentwicklung sind noch in den Tiefen des Seegrundes verborgen? Was erzählen uns kleine Kulturdenkmäler am Wegesrand über die Geschichte dieser Region? Und: Warum „schwätzet“ die Menschen am See so, wie sie es eben tun? Einen kurzweiligen bis humorvollen Einblick in schwäbische und alemannische Mundart-Traditionen am See wird Thomas Kapitel, einer der Buchautoren, bei der Buchvorstellung zum Besten geben.

Ein Drittel der 42 Beiträge im neuen Jahrbuch widmen sich der Kulturlandschaft Bodensee - mit vielen Geschichten und Bildern. Zu den eindrücklichsten Orten gehören die 62 historischen Schlösser, Burgen und Fürstensitze, die es im Bodenseekreis als Zeugnisse einer längst vergangenen Zeit gibt. Aus den Gesprächen mit den Erben dreier Adelshäuser ergeben sich spannende Einblicke, wie es ihnen in der Moderne gelingt, Historisches zu bewahren. Das gleiche gilt wohl für den Keltenhof oder den Büdelmacher, die Autoren des Jahrbuchs besucht haben. Dieser Band überrascht aber auch mit ganz heutigen An- und Einsichten. Er stellt eine Frau mit dem Feuerwehr-Gen, einen Haubenkoch im Hinterland des Bodensees oder ein Trio mit Trüffeln vor. Eine spannende Mischung auf 400 Seiten.

Vorherige Ausgaben

Zentrales Thema der 35. Ausgabe ist das Verhältnis der Generationen zueinander, denn das Mit- und manchmal auch Gegeneinander von Jung und Alt ist seit Menschengedenken von Interesse. Doch durch den demographischen Wandel und die daraus entstehenden Konflikte in einer zunehmend alternden Gesellschaft ist es in den Brennpunkt geraten. Die Frage ist: Wie gehen Alt und Jung heute verantwortungsvoll mit den Wünschen, Vorstellungen und Ansprüchen der anderen Generationen um? Das wird zunehmend schwieriger, da der Generationswechsel sich im Takt gesellschaftlicher Megatrends wie Globalisierung und Digitalisierung scheinbar immer schneller vollzieht. Nach den „68ern“ und den Baby-Boomern sprechen wir inzwischen von Generation X, Y und Z bis Alpha, die das noch junge 21. Jahrhundert prägen. Vielen Menschen fällt es schwer, da Schritt zu halten.

Das aktuelle Jahrbuch, herausgegeben vom Bodenseekreis und seinen beiden größten Städten Friedrichshafen und Überlingen, beleuchtet in mehreren Beiträgen, wie sich die Menschen am Bodensee heute über Generationen hinweg verständigen und mit der Zeit gehen. Eine Frau im Spitzengremium der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte oder als Chef eines Ortsbauernverbandes? Was vor einem Jahrzehnt noch undenkbar schien, ist heute möglich. In vielen Familienunternehmen auch im Bodenseekreis muss die Betriebsnachfolge geregelt und bewältigt werden, oft ein hartes Stück Arbeit für Senior- und Juniorchef. Wenn sie denn gelingt, denn gerade in vielen Handwerksberufen findet sich kein Nachfolger, wovon beispielsweise der letzte Wagner im Bodenseekreis erzählt. Und ist die Vereinsmeierei tatsächlich von gestern?

Die mehr als 50 Beiträge auf 428 Seiten von Autoren aus fünf Generationen befassen sich aber nicht nur mit dem Titelthema. Sie erzählen Geschichten des Alltags vom Leben am See: von prähistorischen Funden im Kreisgebiet, von einer Fußballerin mit Bundesliga-Ambitionen und zwei Graf-Zeppelin-Haus-Herren, von nordamerikanischen Mammutbäumen, die seit über 100 Jahren am See wachsen oder 150 Jahren fotografischen Schaffens der Familie Lauterwasser.

Wasser ist das Sinnbild für „Leben am See“. Aber nicht deshalb zeigt das Cover der 34. Ausgabe den im Abendlicht strahlenden Bodensee. Das Bild steht für viele Menschen, die in den vergangenen Jahrhunderten und ganz besonders im vergangenen Jahr (auch) übers Wasser zu uns kamen oder weggingen, um woanders ihr Glück zu versuchen - verbunden mit der Hoffnung auf ein friedliches, besseres Leben.

Das aktuelle Jahrbuch, herausgegeben vom Bodenseekreis und seinen beiden größten Städten Friedrichshafen und Überlingen, nimmt sich dieses Themas an. Denn es hat viele Menschen im vergangenen Jahr sehr bewegt, beschäftigt, emotionalisiert. So sind etwa ein Drittel der 50 Beiträge dem Titelthema „Flucht und Ankunft“ gewidmet. Die Autoren beleuchten es aus ganz unterschiedlichen Perspektiven: verankert in der Kunst, in der Historie und sogar in der Tier- oder Sportwelt.

Selbstverständlich wird auch Band 34 von „Leben am See“ seiner Chronistenpflicht gerecht, erzählt aus der Perspektive jener Menschen, die am See zuhause sind. Es geht um einen Kunstpreisträger und einen Minister a. D., um ein ungewöhnliches Privatmuseum und eine museumswürdige Baracke, um den ersten Überlinger Stadtgärtner und den letzten Müller im Kreis, um fleißige Nager und Nachtschwärmer, um die Vermessung des Sees und den Nebel, der ihn oft einhüllt. 52 Autoren haben auf 400 Seiten Geschichte(n) aufgeschrieben, und in jeder einzelnen wird der Leser seinen Aha-Effekt haben, kündigen die Herausgeber an.

47 Geschichten auf 344 Seiten: Das hat Band 33 des beliebten Jahrbuches „Leben am See“ zu bieten. Dass selbst eine Chronik hochaktuell sein kann, beweist die neueste Ausgabe des Jahrbuchs, denn es stellt die Themen Klima und Umwelt in den Mittelpunkt. Trockenere Sommer mit mehr Hitzeperioden, mildere und feuchtere Winter - die Boten des Klimawandels sind im Südwesten der Republik und auch am Bodensee längst angekommen. Seit dem Jahr 1900 ist die durchschnittliche Jahrestemperatur in Baden-Württemberg von acht auf neun Grad Celsius gestiegen. Heute setzt die Apfelblüte durchschnittlich 13 Tage früher ein als noch vor 25 Jahren, um nur ein Beispiel der spürbaren Folgen dieser Veränderung zu nennen.

„Leben am See“ erzählt deshalb, wie ein Unternehmen mit modernster Satellitentechnik Klima und Umwelt erforscht, warum ein Landwirt am Bodensee lieber Artischocken statt Hopfen anbaut oder welche gefiederten Fernwanderer aufgrund des Klimawandels neu am See zuhause sind. Daneben beleuchtet Band 33 aber auch öffentliche Bücherregale und das einzige Buchantiquariat am nördlichen Seeufer. Es geht um zwei politische Quereinsteiger mit großen Ambitionen und den zweitjüngsten Bürgermeister in Baden-Württemberg. Vorgestellt wird eine Prinzessin, die Fachfrau im Weinkeller ist und ein Sportler, der bis ins Weltmeisterschafts-Finale gelaufen ist.

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Hinweis

Das Jahrbuch „Leben am See“ wird im örtlichen Buchhandel und im Landratsamt zum Verkauf angeboten. Es kostet 20 Euro.