Hinweis für private Waldbesitzer zur kommenden Forstreform

Das Forstamt Bodenseekreis hat die Waldbesitzer in der Vergangenheit im Rahmen der jährlichen Waldbesitzerversammlungen über das laufende Verfahren des Bundeskartellamtes gegen die Forstverwaltung Baden-Württemberg (ForstBW) sowie den daraus entstandenen Rechtsstreit sehr ausführlich informiert.


Mit dem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) vom 15. Juni 2018 ist der Rechtsstreit mit dem Bundeskartellamt aus formalen Gründen abschließend beendet. Der im Sommer 2015 ergangene Untersagungsbeschluss des Bundeskartellamtes ist damit nichtig und wird nicht wirksam. Da der BGH keine Entscheidung in der Sache getroffen hat und durch eine Änderung des Bundeswaldgesetztes im Januar 2017 neue Fakten bzgl. des Angebots von staatlichen Betreuungsleistungen geschaffen wurden, die auch mit dem EU-Beihilferecht konform sein müssen, ergibt sich gezwungener Maßen die Notwendigkeit, die Organisation der Forstverwaltung und die Betreuung des nichtstaatlichen Waldbesitzes neu auszurichten.


Das Land Baden-Württemberg hat deshalb eine grundlegende Neuorganisation der Forstverwaltungsstruktur beschlossen. Das dazu notwendige Forstreformgesetz wurde am 15. Mai 2019 vom Landtag beschlossen.  Zum 1. Januar 2020 wird die Forstverwaltung in Baden-Württemberg damit neu organisiert.


Mit dieser Forstreform ergeben sich auch grundlegenden Änderungen im Verfahren der Betreuung des Privatwaldes durch den örtlichen Revierförster sowie der künftigen Kostenabrechnung. Ferner wird die Holzvermarktung über das Forstamt zum Jahreswechsel 2019/2020 endgültig eingestellt. Alternativ können Privatwaldbesitzer ihr Holz demnächst über eine neu gebildete Holzvermarktungsgenossenschaft mit Sitz im Ravensburg vermarkten soweit sie dort Mitglied sind.


Hierzu wird das Forstamt im Rahmen von Waldbesitzerversammlungen im November/Dezember 2019 noch ausführlich informieren. 

Informationen für Waldbesitzer im Bodenseekreis - Stand August 2019

Rückblick auf das Jahr 2018

Die aktuelle Situation für unsere Wälder sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Forstbetriebe waren im Jahr 2018 durch außergewöhnliche Ereignisse Kalamitätsereignisse und Entwicklungen geprägt.
Es Begann im Januar mit Sturmschadensereignissen, die in ihrem Ausmaß deutlich unterschätzt worden sind. Nach kurzer, heftiger Frostperiode im Februar/März stellte sich ab April eine bis heute anhaltende, außergewöhnliche warm-trockene Witterungsperiode ein, mit Schäden an Forstkulturen sowie einer schon frühzeitig prognostizierten Borkenkäferkalamität an Fichte.
Außergewöhnlich war dabei die Entwicklung von drei „Borkenkäfergenerationen“, gepaart mit zunehmenden Trockenschäden bis weit in den Herbst hinein. Die Schäden wurden ab Mitte August in den Wäldern des Bodenseekreises überall deutlich ersichtlich. Eine vergleichbare Situation (Sturm- und Borkenkäferschäden) ist für den gesamten mitteleuropäischen Raum gegeben. Das Kalamitätsholzaufkommen übersteigt bei weitem die Verarbeitungskapazität der Sägeindustrie. Durch das aufgelaufene Überangebot an Fichten-/Tannenkalamitätsholz war die Absatzlage schon deutlich erschwert und nur noch zu reduzierten Preisen und mit z. T. starker zeitlicher Verzögerung möglich gewesen.

Entwicklung im Jahr 2019

Der Holzeinschlag war im ersten Halbjahr schwerpunktmäßig durch die Aufarbeitung von durch Borkenkäfer und Trocknis geschädigten Fichten und Tannen geprägt. Das Kalamitätsholzaufkommen hat sich im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. Mit der letzten Hitzewelle im Juli und dem Ausflug der 1. Borkenkäfergeneration haben die Schäden an Fichte und Tanne dramatisch zugenommen. Auffallend sind zudem auch zunehmende Absterbeerscheinungen bei Buche.


Mit der stetigen Zunahme des Kalamitätsholzaufkommens sind die Preise für Fichten- und Tannenholz nochmals erheblich unter Druck geraten. Bestimmte Sortimente wie Papierholz und Hackrohholz sind derzeit kaum mehr absetzbar. Daneben deuten sich örtlich auch Engpässe in der verfügbaren Aufarbeitungskapazität forstlicher Lohnunternehmer an, so dass nicht überall eine sehr zeitnahe Aufarbeitung der Borkenkäferbäume möglich ist.


Die klimabedingten Waldschäden, von denen alle wichtigen Waldbaumarten betroffen sind, stellen derzeit die größte Herausforderung für die Erhaltung des Waldes und seiner Bewirtschaftung dar. Allen Waldbesitzern wird dringend empfohlen, weiterhin planmäßige Nadelholzeinschläge (Fichte/Tanne) zu unterlassen und die Aufarbeitung von mit Borkenkäfern befallenen Fichten und auch Weißtannen konsequent fortzuführen.


Da der Holzabsatz und Abtransport aus dem Wald vielfach nicht immer mehr zeitnah erfolgen wird, sind Polterschutzspritzungen gegen Borkenkäfer unerlässlich.

Hinweise für die Holzbereitstellung

  • Das laufend anfallende Borkenkäferholz ist vorrangig und zeitnah aufzuarbeiten.
    Fichte/Tanne-Frischholzeinschlag ist nur nach vorheriger Vereinbarung mit der Sägeindustrie sinnvoll. Der Frischholzpreis ist aber derzeit völlig unattraktiv.
  • Holzeinschläge sind bei allen Sortimenten unbedingt mit dem zuständigen Forstrevierleiter abzusprechen. Aushaltung, Mengen, Aufarbeitungsqualität (Entastung, Waldbart, Beisägen, Stammfuß) sowie Güte und Sortierung müssen den Kundenvorgaben entsprechen!
  • Eine korrekte Holzvermessung (Abrundung bei der Durchmesserermittlung, Längenaushaltung mit Zumaß). Kennzeichnung der Polter (Holzlistennummer, Güte, Polter-Nr., Stückzahl, ...) ist obligatorisch.
  • Kleinmengen unbedingt vermeiden, da bei Holzkunden unerwünscht bzw. werden sogar abgelehnt und sind nicht mehr vermarktbar! Die Mindestmenge eines vermarktungsfähigen Sortiments beträgt 10 Festmeter je Polter. Soweit diese Mindestmenge nicht erreicht wird, hat eine Konzentration des Holzes zusammen mit benachbarten Waldbesitzern an einem zentralen Lagerort zu erfolgen. Bei der Holzpolterung ist auf eine korrekte Abfuhrrichtung an ganzjährig LKW- befahrbaren Wegen zu achten.


Die genannten Vorgaben zur Holzbereitstellung sind unbedingt einzuhalten! Bei Nichteinhaltung kann die Vermarktung über das Forstamt nicht garantiert oder muss sogar abgelehnt werden!